Prävention sexualisierter Gewalt – das „Waldkircher Präventionsprogramm“

Abschlussbild Waldkirch hat sich als erste Stadt zum Jahreswechsel 2012/ 13 entschlossen, das Präventionsprogramm „Mutige Mädchen“ flächendeckend an allen städtischen Schulen im Rahmen einer dreijährigen Pilotphase in den dritten und siebten Klassen umzusetzen und in diesem Zusammen¬hang eine dringend erforderliche Wirksamkeitsstudie zu ermöglichen.

Angesichts der bedrückenden Situation – etwa jede vierte Frau wird in ihrem Leben Opfer von sexualisierter Gewalt – zeigt das Mutige-Mädchen-Programm wissenschaftlich fundiert und praktisch erprobt Wege auf, eine solche Gefährdung deutlich zu vermindern. Dazu werden den Schülerinnen neben wichtigen Wissensbausteinen zum Themenkomplex vor allen entscheidende Kompetenzen vermittelt, sich in ihrem Leben zu behaupten – und zwar nicht erst bei sexuellen Übergriffen. Das Programm ist eingebettet in das Konzept der „Leiblich Emotionalen Bildung“, dass dem umfassenden Auftrag der Schule Rechnung trägt, junge Menschen über Wissensvermittlung hinaus in ihrer leib-seelischen Entwicklung zu unterstützen. Ein Programm für Jungen unter dem Titel „Stark gegen Gewalt“ befindet sich ebenfalls in Entwicklung, ist aber im Gegensatz zu den „Mutigen Mädchen“ noch in den Anfängen. Das inzwischen schon vielfach mit Preisen ausgezeichnete Mutige-Mädchen-Programm hat bereits alle wichtigen Entwicklungsstufen von der Theoriebasierung über die Praxiserprobung bis hin zur derzeit laufenden Wirksamkeitsstudie durchlaufen und ist dabei vom anfänglichen fakultativen Zusatzangebot zum festen Bestandteil des Stundenplans an den Projektschulen geworden.

Seit 2014 nehmen nun auch alle städtischen Schulen der benachbarten Kreisstadt Emmendingen teil, jedoch in Form von Einzel-Vereinbarungen mit den Schulen und dank einer Vielzahl von Förderern, die das Projekt dort ermöglichen. Zudem findet das Programm seit 2006 an einer Reihe weiterer Projektschulen statt: vorrangig in Freiburg, aber auch an einzelnen Bildungseinrichtungen in der Region zwischen Müllheim und Offenburg. Im Gegensatz zu diesem Modell, wonach die Vereinbarungen mit jeder Schule einzeln geschlossen werden, konnte im Falle von Waldkirch erstmals ein wegweisender Ansatz umgesetzt werden, indem eine Stadt zentral die Durchführung des Programms ermöglicht und finanziert, was ein großer Vorteil insbesondere bei der Koordination der einzelnen Schulen darstellt. Ohne diesen Schritt, wäre die Wirksamkeitsstudie zeitnah nicht machbar gewesen. Nach dem Programmstart im Herbst 2013 konnten bereits alle derzeitigen Siebtklässlerinnen der Stadt bis Anfang 2014 das Programm durchlaufen. Am 1. Februar 2014 konnte nun auch die Erhebung der Daten des ersten Jahr¬gangs im Rahmen des Tagesworkshops, an dem die Schülerinnen aller Waldkircher Schulen teilnahmen, abgeschlossen werden. Daneben läuft zur Zeit die Kursphase in allen dritten Klassen der Kernstadt Waldkirch und in den Stadtteilen Kollnau und Buchholz, die mit einem Tagesworkshop im Mai abgeschlossen wird. Mädchen greifen sich gegenseitig mit Masken an

In der Pilotphase findet das Programm eingebettet in den Regelunterricht statt, damit alle Mädchen der jeweiligen Altersstufe davon profitieren und die Teilnahme nicht an individuelle Interessenorientierung oder die Unterstützung bzw. das finanzielle Engagement durch das Elternhaus gebunden ist. Zudem ist die Teilnahme aller Schultypen verbunden mit der Teilnahme aller Schülerinnen der Projektschulen der jeweiligen Jahrgänge eben Grundlage für jene umfassende Wirksamkeitsstudie mit Hilfe derer gezeigt werden soll, dass mit einem relativ geringen Zeit- und Mittelaufwand im Rahmen des Schulunterrichts schon eine große Wirkung, was die Prävention sexualisierter Gewalt angeht, erzielt werden kann. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss der Studie dann auf Landesebene vorgestellt und eine Implementierung der nachweislich wirksamsten Module in die Lehrpläne des Landes vorangetrieben werden. Diese Pionierarbeit in Baden-Württemberg soll dann auch für die anderen Bundesländer als Vorbild dienen, sich dieses Themas über Lippenbekenntnisse hinaus anzunehmen, indem wichtige Themenbereiche der leib-seelischen Existenz und des Umgangs mit den Emotionen im Rahmen des Schulunterrichts integriert werden; und zwar über die Ebene der reinen Wissensvermittlung hinaus in Form der wirklichen Befähigung zu einem selbstbestimmten und zugleich sozial eingebundenen Leben.

Waldkirch nimmt so eine Vorreiterrolle ein, was das Thema Prävention sexualisierter Gewalt angeht. Deshalb haben sich Lynn und Peter Kalinowski, die das Programm begründet haben, entschlossen, den „MUTIGEN MÄDCHEN“ den offiziellen Titel „WALDKIRCHER PRÄVENTIONSPROGRAMM“ zu geben. Das federführende Interdisziplinäre Institut für Gewaltprävention (IIfG), das die Studie in Kooperation mit dem Institut für Neuropsychologie der Universität Freiburg durchführt, hofft nun auch auf Unterstützung der Studie durch die ortansässige Wirtschaft, wodurch Waldkirch mit ver¬einten Kräften zusammen mit der Stadt als Schulträger seine Vorreiterrolle als innovativer Bildungsstandort unterstreichen würde. Durch das WALDKIRCHER PRÄVENTIONSPROGRAMM wird die Stadt immer ganz vorne mit dabei sein, wenn es um wegweisende Ansätze zur Gewaltprävention geht.