Ehrenamtspreis des Landes Baden-Württemberg an das Präventionsprogramm MUTIGE MÄDCHEN verliehen

MUTIGE MÄDCHEN ist ein deutschlandweit einzigartiges, besonders auf Nachhaltigkeit angelegtes Projekt zur Prävention sexualisierter Gewalt. In vertrauensvollem Rahmen werden Schülerinnen der Grund- und weiterführenden Schulen im Raum Freiburg, altersgerecht für Grenzüberschreitungen sensibilisiert und durch probate körperorientierte und psychologische Methoden mit dem nötigen Selbstbewusstsein ausgestattet. Durch die Implementierung des Programms in den Sportunterricht, sind Mädchen aus sozial benachteiligten Familien, mit Migrationshintergrund oder Opfer häuslicher Gewalt, optimal integriert. Ausgerechnet diese Mädchen sind überproportional oft von sexualisierter Gewalt betroffen. Die Kurse sind für alle Mädchen kostenfrei. Bisher wurden zwischen 3000 und 4000 Schülerinnen im Alter von 9 bis 19 Jahren in Selbstverteidigung und Selbstbehauptung geschult. Auf über 100 ausgebildete Kursbetreuerinnen kann das Projekt zwischenzeitlich setzen. Ziel ist es, das Präventionsprogramm fest in den Lehrplänen zu verankern. Hierzu ist die Wirksamkeitsüberprüfung des Programms Bestandteil wissenschaftlicher Forschung. In den Kreisstädten Emmendingen und Waldkirch wurde das Projekt bereits flächendeckend eingeführt.

Echt Gut!]]


MUTIGE MÄDCHEN ist ein Programm zur Prävention sexualisierter Gewalt, ursprünglich entstanden aus einem praxisorientierten Begleitseminar im Rahmen des maßgeblich vom Philosophen Peter Kalinowski entwickelten LEHRMODULS GEWALTPRÄVENTION an der Universität Freiburg. Was vor etwa zehn Jahren als fruchtbare Verknüpfung von theoretischer Lehre und praktischer Umsetzung begann, ist inzwischen zu einem für verschiedene Schultypen und Klassenstufen standardisierten Curriculum geworden und das wissenschaftlich am besten untersuchte Programm gegen sexualisierte Gewalt im deutschsprachigen Raum. Dies ist vor allem der Ehefrau des Begründers, der Psychologin Lynn Kalinowski, zu verdanken, die das Programm heute leitet.

MUTIGE MÄDCHEN basiert auf einem psychologischen Konzept, das Körperpräsenz und Selbstverteidigungskompetenzen besonders im Hinblick auf die Stärkung des Selbstwerts schult. Das Präventionsprogramm ist an den etwa 25 Projektschulen inzwischen fest in den Unterricht eingebunden und so für alle Mädchen einer Klasse zugänglich. Es wird mit insgesamt 17 Übungseinheiten – zehn Einheiten in Form von fünf Doppelstunden im Schulunterricht und sieben weiteren an einem ganzen Workshop-Tag – in den dritten und siebten Klassen durchgeführt und durch eine wissenschaftliche Wirksamkeitsstudie mit etwa 1000 Probandinnen begleitet. Bislang haben zwischen 3000 und 4000 Schülerinnen das komplette Programm durchlaufen. Alle Kursleiterinnen und Betreuerinnen absolvieren ein spezielles Ausbildungsseminar an der Universität und weitere Schulungen zu den körperlichen Kompetenzen.

Das Mutige-Mädchen-Programm wird an den Projektschulen in Freiburg und flächendeckend an den beiden Projektstandorten Waldkirch und Emmendingen inzwischen im Rahmen des Regelunterrichts für alle Schülerinnen einer Klasse durchgeführt, damit kein Mädchen aufgrund sozialer Herkunft oder mangelnder Unterstützung ausgeschlossen wird. Kommerzielle Interessen dürfen bei der Präventionsarbeit keine Rolle spielen, so Lynn und Peter Kalinowski, da sonst gerade jene herausfallen, die solcher Maßnahmen am dringendsten bedürfen. In diesem Sinne sollten Präventionsprogramme allen Kindern und Jugendlichen zugänglich sein, in der Breite an den Schulen vermittelt und schließlich auch dauerhaft in den Unterricht eingebunden werden. Inzwischen sind über 100 Ehrenamtliche für das Präventionsprogramm MUTIGE MÄDCHEN tätig – insbesondere an den Schulen und mit einem überwältigenden Engagement. In diesem Semester bildet Lynn Kalinowski wieder 40 neue Mutige-Mädchen-Kursleiterinnen in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuropsychologie der Universität Freiburg aus – mehr als je zuvor.

Echt gut Preisverleihung

Das allein ist es aber noch nicht, was das Programm ausmacht: Es kommt darauf an, dass dieses Engagement fundiert und nachhaltig ist. Daher legen die Projektverant-wortlichen strenge ethische Maßstäbe bei ihrer Präventionsarbeit an und bauen auf einer soliden wissenschaftlichen Basis auf. Dazu gehört ein umfangreiches Manual zum Mutige-Mädchen-Programm mit Theoriebasierung, Curriculum für den Einsatz in Schulkursen und Workshops sowie Leitfäden für Lehrende an den verschiedenen Schultypen. Auf der Basis der hier gesetzten und erprobten Standards konnte dann schließlich auch die umfassende empirische Wirksamkeitsstudie durchgeführt werden. Wichtig ist, dass ehrenamtliches Engagement nicht nur gut gemeint ist, sondern auch nachweisbar funktioniert. Fast unglaublich, dass dies alles bislang auf ehrenamtlicher Basis geschah – vom unerschütterlichen Willen des Gründerpaars getragen, das sein persönliches Schicksal absolut hinter ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen zurückstellte. Seit nunmehr fast zehn Jahren setzen beide ihre ganze Schaffenskraft in die Gewaltprävention – insbesondere in die Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen – ein; ohne jegliche Entlohnung – im Gegenteil, sogar unter Einsatz ihres gesamten Vermögens. Dies geschieht im klaren Bewusstsein, dass Innovation auf diesem Gebiet – wo es um Teilhabe auch der Schwächsten in unserer Gesellschaft geht – weder durch Kommerzialisierung, noch ausgehend von trägen bürokratischen Strukturen möglich ist, zumal für Präventionsanliegen zur Zeit noch kaum Mittel im öffentlichen Sektor zur Verfügung stehen. Hier hinken politische Entscheidungen und staatliche Maßnahmen der gesellschaftlichen Realität extrem hinterher.

Letzten Endes will sich das Projekt als Projekt selbst überflüssig machen, indem das Engagement dazu führt, dass das Thema sexualisierte Gewalt und deren Prävention zur Selbstverständlichkeit an allen Schulen wird und wissenschaftlich probate Module zur Prävention sexualisierter Gewalt in den regulären Unterricht bestimmter Klassenstufen eingebunden werden.

Nun sind die politisch Verantwortlichen am Zuge, ein solch profundes “soziales Kapital“ zum Wohle unserer Gesellschaft dauerhaft in die Strukturen des Bildungssystems zu überführen – nur so kann die Nachhaltigkeit dieser Pionierarbeit gesichert werden.

die stolzen Gewinner