Gegen Gewalt - für Mitmenschlichkeit


Tiefgreifend ist das Gewaltproblem nur durch eine Erweiterung unseres Bildungsbegriffs anzugehen. Dringend ist daher geboten, der enormen Bedeutung von Leiblichkeit und Emotionalität im menschlichen Miteinander durch eine leiblich-emotionale Bildung zu entsprechen. Erst durch Leibhafte Vernunft gelingt die wahrhafte Integration von Wissen und Können in ein sich selbst und seiner Mitgeschöpfe bewusstes, einfühlsames Menschenwesen – die Heteronomie durch Gewalt ist allein in der Macht des Selbst aufzuheben.

Mitmenschliche Solidarität wird durch Rückbindung an die eigene Leiblichkeit tief verwurzelt und so auf einer ganz grundsätzlichen Ebene gestärkt. Das ist letztlich nur auf der Basis von Inkorporierter Moralität möglich, die alte leibferne, teilweise sogar körperfeindliche Moralkonzeptionen hinter sich lässt.

Körperpräsenz als Praxeologie der Leibhaften Vernunft zeigt Wege eines systematischen Zugangs zur Inkorporierten Moralität auf.

Die drei Kernthesen zur Gewaltprävention: Gewalt ist allein in Macht “aufzuheben“


1. Gewalt ist allgegenwärtig. “Gewaltprävention“ greift zu kurz, wenn damit nur die – unbestritten notwendige – individuelle Vermeidung einzelner Gewaltakte gemeint ist. Vielmehr sollen die Programme zugleich auch zum “bewussten“ Umgang mit dem Phänomen Gewalt in unserer Gesellschaft führen.


2. Eine auf humanistische Ziele gerichtete Erziehung, die den “guten Menschen“ im Blick hat, übergeht idealisierend fast ausnahmslos die somatische Quelle des Trieb- und damit des Aggressionspotentials. Appelle an die Einsicht bleiben wirkungslos, wo ein bestimmtes Entgrenzungsniveau dieser Kräfte erreicht ist.


3. Körpertraining zum Aggressionsabbau einerseits (potentielle Täter) und zum Aufbau von Wehrhaftigkeit anderseits (potentielle Opfer) geht dem Phänomen nicht auf den Grund im Hinblick darauf, was dem Menschen als Menschen möglich ist und was gerade dringend notwendig wäre, um die zugeschriebenen Opfer- und Täterrollen zu überwinden. Eine gewaltbewusste aber zugleich angstentlastete Haltung kann nur im Rückgang von der ständigen Gewaltausgesetztheit in die “Macht des Selbst“ gelingen.


Peter Kalinowski, Institutsgründer