Seminar: Theorie der Gewalt - Praxis der Gewaltprävention

Interdisziplinäre Veranstaltung für Studierende der Soziologie, der Psychologie und der Erziehungswissenschaft - interessierte LehramtsstudentInnen sind willkommen, da die Projekte zur Gewaltprävention primär an Schulen durchgeführt werden, ebenso Studierende mit Vorkenntnissen in Selbstbehauptungstrainings oder Selbstverteidigungsdisziplinen und mit Interesse an Kriminologie.

Der Theorieteil behandelt Gewalt aus der gesellschaftlichen Perspektive der Soziologie und der individuellen der Psychologie. Die Untersuchung der Entstehungsursachen von Gewalt und ihren Erscheinungsformen in der Gesellschaft mündet in der Frage nach geeigneten Modellen der Gewaltprävention und in der Perspektive, diese über neue Unterrichtsmodule in bestimmten Klassenstufen an weiterführenden Schulen zu verbindlichen Komponenten einer umfassenden Allgemeinbildung werden zu lassen.

Im Rahmen einer umfassende sozialpsychologischen Evaluation ist die Erstellung und Auswertung von Fragebögen zum Pilotprojekt “Gewaltprävention an Schulen“ vorgesehen, das seit 2006 an einigen ausgewählten Freiburger Gymnasien durchgeführt wird.

Scheinvergabe (Hauptseminarschein bzw. Praktikumsschein) kann erfolgen durch:

  • ein Referat/ Hausarbeit zur Theorie der Gewalt oder
  • die Mitwirkung in der Praxis eines Projekts zur Gewaltprävention in Verbindung mit einem Erfahrungsbericht/ einer schriftlichen Auswertung oder
  • die Auswertung bzw. Erarbeitung von Fragebögen nach den Methoden der empirischen Sozialforschung

Im Rahmen des Seminars ist die Hospitation eines exemplarischen Präventionsprojekts vorgesehen.

Das interdisziplinäre Projekt soll in den Folgesemestern fortgeführt werden. Neben den vorhandenen Praxisfeldern von Selbstbehauptungstraining (primär für weibliche Jugendliche) und Anti-Aggressionstraining (primär für männliche Jugendliche) sollen dann auch die Möglichkeiten sondiert werden, wie eine Stärkung der Zivilcourage in unserer Gesellschaft systematisch angegangen werden kann.

Seminarverlauf

1. 26.10.07:

Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt im Hinblick auf die Erfordernisse einer mitmenschlichen Praxis. Die Gewaltproblematik als zentrales Anliegen der Sozialphilosophie

2. 02.11.07

Gewalt: Über die Praxistauglichkeit eines problematischen Begriffs

3. 09.11.07

Zentrale entwicklungs- und soziapsychologische Aspekte von Aggression und Gewalt

4. 16.11.07

Philosophische und soziologische Diskurse über Macht und Gewalt

5. 23.11.07

Ethische Dimensionen der Gewaltproblematik: Der Gewaltbegriff als Instrumentarium der Moralisierung - das Böse

6. 30.11.07

Die drei großen Praxisfelder der Gewaltprävention und ihr Zusammenspiel

7. 07.12.07

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen – psychologische, soziologische und kulturanthropologische Zugangsweisen(erstes Präventionsfeld)

8. 14.12.07

Folgerungen aus der Kriminalstatistik (BKA 2006) bezüglich Rahmenbedingungen von Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt

9. 21.12.07

Auswertung von Polizeiberichten sowie Opfer- und Täterdarstellungen im Hinblick auf sich wiederholende Eskalationsszenarien von sexuellen Übergriffen

10. 11.01.08

Vorstellung und Diskussion des Fragenkatalogs der geplanten Schülerinnenbefragung mit Fokus darauf, wie und in welchem Maße Ängste vor sexuellen Übergriffen die Lebensqualität der Mädchen beeinträchtigt (Wodurch ggf. auch die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Gewaltprävention an Schulen nochmals unterstrichen wird)

11. 18.01.08

Einstellungs- und Verhaltensänderung durch Maßnahmen der Gewaltprävention – „verhängnisvolle Konventionen“

12. 25.01.08

Kommunikations- als Selbstbehauptungstraining auf der Basis sozialpsychologischer Grundeinsichten

13. 01.02.08

Die Schule als Schnittstelle von Maßnahmen zur Gewaltprävention.

Fächerübergreifender Ansatz einer den Leib einschließenden Bildung.

14. 08.02.08

Juristische Aspekte von Notwehr und Nothilfe

Juristische Absicherung in der Gewaltprävention tätigen Lehrkräfte

Gewaltprävention und Schulrecht

15. 15.02.08

Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Polizei, Beratungsstellen, Opferorganisationen, Vereinen und Initiativen in der Gewaltprävention

Praktische Umsetzung im Pilotprojekt „Mutige Mädchen“ (ggf. Erfahrungsberichte)